Mexico

Echinocereus primolanatus, Mexico, Coahuila, Hipolito

Echinocereus primolanatus, Mexico, Coahuila, Hipolito

Von den vielen Vertretern der Gattung Echinocereus ist die Art primolanatus in den Sammlungen wegen der etwas schwierigeren Kultur und Aufzucht aus Samen, eher selten anzutreffen. Die Pflanze trägt ihren Namen aufgrund der nur im Jugendstadium vorhandenen weichen und haarigen Mitteldornen und ist deswegen in den Aussaatschalen unter anderen Echinocereen ein Juwel. Echinocereus primolanatus erreicht einen Durchmesser von bis zu 4 cm bei einer Höhe von etwa 15 cm. Die leicht gehöckerten bis zu 25 Rippen tragenden Pflanzen haben an den Areolen etwa 20 bis 28 Randdornen in einer für Echinocereus primolanatus typischen kammförmig angeordneten Bedornung. An den natürlichen Standorten fällt die an sich überwiegend weiße bis leicht bräunliche Bedornung in dem Farbenspiel der Umgebung kaum auf. Die Blüten erscheinen im April, sofern Feuchtigkeit und Klima ein Wachstum der Knospen begünstigen. Typisch sind Farbtöne von zartem bis kräftigem Rosa mit einem weißen und letztlich ins rote übergehenden Schlund. Das Verbreitungsgebiet umfasst mehrere bekannte Populationen. Zum einen, das von der Erstbeschreibung bekannte Habitat nördlich der Estación Marte in der Sierra de la Paila. Ebenso bedeutend sind aber auch Vorkommen in der Gegend rund um Cuatrociénegas und in der Region um Hipolito.

Unser Versuch Echinocereus primolanatus am Standort in Blüte zu fotografieren ist uns jahrelang nicht geglückt. Erst im Jahr 2005, nach inzwischen mehreren Besuchen des Habitats um Hipolito, hatten wir am Vorabend unserer Rückfahrt nach Mexico City, das erste Mal Gelegenheit relativ große Knospen an den zahlreich vorhandenen Pflanzen zu beobachten. Das Antreffen von Knospen ist normalerweise keine Besonderheit bei Echinocereus primolantus, da diese ganzjährig, vor allem in Kultur auch über die Wintermonate hinweg, vorhanden sind. Die Pflanzen warten anscheinend nur auf günstige klimatische Voraussetzungen für ein Öffnen der Blüten. Kurzerhand beschlossen wir einen erneuten Besuch am Folgetag, um zumindest ein paar Einzelpflanzen auf einer ausgedehnten Tour durch dieses Areal, eventuell in Blüte zu finden. Wir erreichten den artenreichen Standort mit Vorkommen von über 20 Vertretern der Cactaceae bereits zeitig am Morgen und die Anspannung auf möglicherweise blühende Exemplare wurde immer größer. Schon die ersten gefundenen Pflanzen zeigten, dass das Wachstum der Knospen seit dem Vorabend erstaunlich vorangeschritten war. Nach bereits weiteren wenigen Metern entdeckten wir im einheitlich grauen Gestein schon aufgehende Blüten von Echinocereus primolanatus. Das Licht zum Fotografieren war noch schlecht um diese Uhrzeit. Wir beschlossen deshalb, das Gebiet getrennt und mit Funkgeräten ausgerüstet zu untersuchen, um auch jede erdenkliche Chance auf Blüten nicht ungenutzt zu lassen. Etwa 15 Minuten nach unserem Aufbruch wurde von uns beiden nahezu gleichzeitig die erste voll geöffnete Blüte mit wunderschön leuchtendem Flor über Funk gemeldet. Der jahrelang ersehnte Wunsch hatte sich erfüllt. Glücklich und beide in voller Aktion, fotografierten wir die vermeintlich einzigen Pflanzen sofort ausgiebig in der Morgensonne. Nach nur wenigen Minuten überschlugen sich die gegenseitigen Meldungen über weitere Blütenfunde per Walky-Talky. Wir standen vor hunderten von Pflanzen von Echinocereus primolanatus die eine nach der anderen ihre Blütenpracht zeigte. Innerhalb kurzer Zeit waren einige Diafilme belichtet und die Speicherkarten unserer Digitalkameras verlangten ein Sichern der Daten auf dem Notebook. Auch eine zweite Tour in das flache und steinige Areal dehnte den nur als Abstecher geplanten Ausflug auf insgesamt drei Stunden aus. Ein längerer Aufenthalt hätte sich nicht gelohnt, da der aufkommende Wind und die starke Mittagssonne die zarten Blütenblätter bereits unansehnlich gemacht hatten und somit das Ende der Blühphase kurz bevorstand. Welche Kräfte mögen wohl diese herrlichen Vertreter der Gattung Echinocereus dazu bewegt haben, exakt zu diesem Zeitpunkt und nahezu alle zu gleichen Zeit, die Blüten zu öffnen und bereits nach kurzer Zeit wieder zu verblühen. Wir fanden kaum Nachzügler oder Pflanzen die bereits verblüht hatten. Die Natur zeigte uns hier ein einzigartiges Schauspiel an dem wir eindrucksvoll erkennen durften, welche Strategien zur Vermehrung einzelne Vertreter der sukkulenten Pflanzen an den Tag legen. Für uns war vor allem überraschend, dass die in der Literatur beschriebene Aufteilung der Blütenfarben in Zonen, an diesem Standort durchaus einer Streuung unterliegt. So konnten wir Pflanzen mit fast durchgehenden rosafarbenen Blüten beobachten. Ebenso vorhanden waren Exemplare mit einer großen weißen Zone, die nur am Rand einen kleinen rosa Bereich aufwiesen. Die Blüten erreichten einen Durchmesser von bis zu 9 cm bei einer Länge von etwa 8 cm, was bei den klein bleibenden Pflanzen einen imposanten Eindruck auf uns machte. Dem einzigartigen Erlebnis folgend, ließen wir natürlich auch die überaus interessante Begleitfora nicht aus dem Blickfeld. So konnten wir dort, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ebenso Exemplare von Agave lechequilla, Astrophytum capricorne, Coryphantha, Cylindropuntia, Echinocactus horizonthalnius, Echinocereus enneacanthus, Echinocereus pectinatus, Echinocereus stramineus, Epithelantha micromeris, Foquieria splendens, Hamatocactus, Hechtia, Lophophora williamsii, Mammillaria denundata, Neolloydia, Opuntia, Pedilanthus macrocarpus, Sclerocactus uncinatus subsp. wrightii und Thelocactus bicolor vorfinden.

Das in Höhen um 1.150 Metern gelegene Areal umfasst eine Artenvielfalt, die wir selten an anderen Standorten beobachten konnten. Besonders hervorzuheben sind die leicht alkalischen Böden mit Sedimentgestein aus vulkanischem Ursprung in dieser Region mit pH Werten um 8,0. Bezogen auf die klimatischen Verhältnisse, zählt Hipolito mit durchschnittlichen Niederschlagsmengen von ca. 200 mm pro Jahr, eher zu den trockeneren Gebieten in Coahuila. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei etwa 20°C. Ein Ausflug dorthin ist jedem Liebhaber der Gattung Echinocereus, aber auch anderen Kakteenfreunden, allein wegen der vorherrschenden Artenvielfalt auf jeder Reise nach Coahuila nur zu empfehlen.

004_001
Standortübersicht

004_002
Überblick mit vielen Echinocereus primolanatus in Blüte

004_004
Echinocereus primolanatus

004_003
Echinocereus primolanatus

004_005
Echinocereus primolanatus

004_006
Echinocereus primolanatus

004_008
Echinocereus primolanatus

004_007
Echinocereus primolanatus

004_009
Echinocereus primolanatus

004_010
Echinocereus primolanatus

004_012
Echinocereus primolanatus

004_014
Echinocereus primolanatus

004_013
Echinocereus primolanatus

004_015
Echinocereus primolanatus

004_017
Echinocereus primolanatus

004_016
Echinocereus primolanatus

004_019
Echinocereus primolanatus

004_018
Echinocereus primolanatus

004_020
Echinocereus primolanatus

004_022
Echinocereus primolanatus Sämling

004_021
Echinocereus primolanatus mit aufgehender Blüte

004_023
Echinocereus stramineus

004_024
Echinocereus stramineus

004_026
Sclerocactus uncinatus subsp. wrightii

004_025
Epithelantha micromeris

004_028
Opuntia spec.

004_027
Lophophora williamsii

004_029
Echinocereus pectinatus

004_030
Echinocereus enneacanthus

004_032
Astrophytum capricorne

004_031
Echinocatus horizonthalonius

Permalink: http://www.echinocereus.net/?p=194